Eigentlich müssten Gamer heute im Paradies leben. Neue Spiele erscheinen praktisch im Wochentakt, digitale Stores sind rund um die Uhr geöffnet und regelmäßig locken Sales mit Rabatten, bei denen selbst aktuelle Titel plötzlich erstaunlich günstig werden. Dazu kommen Spiele-Abos und eine riesige Auswahl an Indie-Games. Trotzdem sitzt man manchmal vor der Konsole oder dem PC und stellt sich ausgerechnet diese Frage: Was soll ich eigentlich spielen? Das Problem ist längst nicht mehr mangelnde Auswahl. Es ist das genaue Gegenteil.
Das Angebot ist größer als die verfügbare Spielzeit
Wer regelmäßig spielt, kennt wahrscheinlich den berüchtigten „Pile of Shame“. Gemeint ist die stetig wachsende Sammlung gekaufter Games, die irgendwann ganz bestimmt gespielt werden sollen. Zumindest theoretisch.
Besonders digitale Angebote haben das Problem verschärft. Ein interessantes Spiel kostet plötzlich nicht mehr 59,99 Euro, sondern nur noch 8,99 Euro. Also wird zugeschlagen. Dass gleichzeitig noch drei andere unangetastete Titel in der Bibliothek warten, lässt sich für einen Moment hervorragend verdrängen.
Hinzu kommen Abodienste, die Zugriff auf große Spielebibliotheken ermöglichen. Das ist komfortabel, macht die Entscheidung aber nicht unbedingt leichter. Wer aus fünf Spielen wählen kann, entscheidet sich schnell. Bei 500 Titeln kann dagegen bereits die Auswahl zum abendfüllenden Programmpunkt werden.
Deshalb lohnt es sich, die Suche einmal umzudrehen. Statt zu fragen, welches Spiel gerade besonders populär oder günstig ist, sollte zunächst geklärt werden, worauf man selbst momentan Lust hat.
Genre ist wichtig – aber längst nicht alles
Natürlich sind Genres ein guter Ausgangspunkt. Wer mit Fußballspielen nichts anfangen kann, wird vermutlich auch vom bestbewerteten Vertreter des Genres nicht plötzlich begeistert sein. Trotzdem erzählen Begriffe wie Action, Rollenspiel oder Strategie längst nicht die ganze Geschichte.
Entscheidend kann beispielsweise sein, wie viel Zeit ein Spiel verlangt. Ein riesiges Rollenspiel mit einer Spielzeit von weit über 50 Stunden klingt beeindruckend. Wer jedoch meistens nur eine halbe Stunde am Abend spielen kann, fühlt sich mit einem Titel, der auch in kurzen Sessions funktioniert, möglicherweise wohler.
Auch der gewünschte Anspruch spielt eine Rolle. Manchmal darf ein Spiel schwierig sein und volle Konzentration verlangen. An einem anderen Abend möchte man vielleicht einfach auf dem Sofa sitzen und abschalten. Beides ist vollkommen legitim.
Ähnlich wichtig ist die Frage, ob man allein oder gemeinsam spielen möchte. Ein hervorragendes Singleplayer-Abenteuer hilft wenig, wenn eigentlich ein Spiel für den nächsten Abend mit Freunden gesucht wird.
Der persönliche Kontext ist deshalb häufig aussagekräftiger als eine Genrebezeichnung. Nicht nur „Was spiele ich gern?“, sondern auch „Wie möchte ich gerade spielen?“ führt oft schneller zum passenden Titel.
Tests, Streams und Community: Wo sich die Recherche lohnt
Früher entschied nicht selten die Verpackung im Laden darüber, welches Spiel mit nach Hause kam. Ein spektakuläres Cover, ein paar Screenshots auf der Rückseite und ein überzeugender Beschreibungstext mussten reichen. Heute stehen wesentlich mehr Informationsquellen zur Verfügung.
Tests können einen guten Überblick über Stärken und Schwächen liefern. Noch aufschlussreicher sind manchmal Gameplay-Videos oder Streams. Sie zeigen, wie ein Spiel tatsächlich aussieht, wie schnell es sich bewegt und ob die grundlegende Spielmechanik den eigenen Geschmack trifft.
Auch spezialisierte Gaming-Seiten können bei der Recherche helfen. Wer sich über Games, Konsolen, Zubehör und weitere Themen aus der Spielewelt informieren möchte, für den ist Stars Gaming eine tolle Quelle. Ergänzend lohnt sich häufig ein Blick in Foren und Communitys, insbesondere wenn konkrete Fragen zu einem Titel offen sind.
Allerdings sollte man sich von fremden Meinungen nicht vollständig abhängig machen. Ein Spiel kann hervorragende Bewertungen erhalten und trotzdem nicht zum eigenen Geschmack passen. Umgekehrt gibt es genügend Titel mit kleineren Schwächen, die genau den persönlichen Nerv treffen.
Bewertungen sind deshalb am hilfreichsten, wenn man versteht, warum ein Tester etwas lobt oder kritisiert. Wer beispielsweise ohnehin keinen Wert auf eine komplexe Geschichte legt, muss sich von Kritik an einer dünnen Handlung nicht zwangsläufig abschrecken lassen.
Nicht jedes Schnäppchen ist wirklich eines
Sales gehören mittlerweile fest zur Gaming-Welt. Gerade ältere Titel sind regelmäßig mit erheblichen Rabatten erhältlich. Wer etwas Geduld mitbringt, kann dadurch viel Geld sparen.
Problematisch wird es erst, wenn der Rabatt selbst zum Kaufgrund wird. Ein Spiel für zehn Euro, das anschließend nie gestartet wird, war schließlich kein besonders gutes Geschäft. Es waren einfach zehn Euro für einen zusätzlichen Eintrag in der digitalen Bibliothek.
Hilfreich kann deshalb eine persönliche Wunschliste sein. Statt während eines Sales spontan durch Hunderte Angebote zu scrollen, landen dort nur Titel, die vorher bereits interessant waren. Wird eines davon deutlich günstiger, spricht wenig gegen den Kauf.
Auch bei Neuerscheinungen muss nicht immer sofort am ersten Tag zugeschlagen werden. Wer nicht unbedingt zum Release spielen möchte, profitiert später möglicherweise von günstigeren Preisen, technischen Verbesserungen oder zusätzlichen Inhalten.
Ausnahmen gibt es natürlich. Bei einem lang erwarteten Lieblingsspiel darf Vernunft auch einmal Pause haben. Gaming ist schließlich ein Hobby und keine Einkaufswissenschaft.
Das beste Spiel ist das, das du tatsächlich spielen willst
Toplisten, Bewertungen und Empfehlungen sind praktisch, können die eigene Entscheidung aber nicht ersetzen. Ein mit Preisen ausgezeichnetes Meisterwerk bringt wenig, wenn man sich jeden Abend überwinden muss, es überhaupt zu starten.
Vielleicht ist genau das der beste Filter angesichts der heutigen Spieleflut: weniger danach schauen, was man angeblich gespielt haben sollte, und stärker darauf achten, worauf man wirklich Lust hat.
Das kann der große Blockbuster sein, über den gerade alle sprechen. Es kann genauso gut ein zehn Jahre altes Spiel sein, das für wenige Euro im Angebot auftaucht, oder ein kleines Indie-Game, von dem vorher kaum jemand gehört hat.
Und möglicherweise wartet das perfekte nächste Spiel längst in der eigenen Bibliothek. Dann wäre die günstigste Neuanschaffung ausnahmsweise gar keine Neuanschaffung – sondern endlich einmal auf „Installieren“ zu klicken.